Die Geschichte: Die drei Grüngürtel – von Adenauer bis heute

RegioGrün hat eine Geschichte, denn das Projekt ist die konsequente Fortführung der grünplanerischen Politik in der Region Köln/Bonn – von Adenauers Idee der Inneren und Äußeren Grüngürtel bis zum heutigen Konzept der sechs Korridore und des Dritten Grüngürtels. Dabei hängt die Struktur des heutigen Grünsystems der Stadt Köln mit seinen Hauptelementen, dem Inneren und Äußeren Grüngürtel sowie den verbindenden Grünzügen, eng mit dem Ausbau der Stadt als preußische Befestigung zu Anfang des 19. Jahrhunderts zusammen.

Vom Inneren und Äußeren Kölner Grüngürtel zum Dritten Grüngürtel

Mit der Besetzung Kölns durch die Preußen setzten ab 1815 umfangreiche Baumaßnahmen zum Ausbau der Stadt als Festung ein. So entstand u.a. eine 600 Meter stadtauswärts gelegene neue Verteidigungszone, bestehend aus einzelnen, voneinander getrennt gelegenen Festungswerken (Forts).
Die zu Beginn des 19. Jahrhunderts einsetzende Industrialisierung führte auch in Köln zu einem starken Bevölkerungsanstieg, doch war eine Ausdehnung der Stadt aufgrund des ausgebauten Befestigungsringes zunächst nicht möglich. Erst als die Stadtmauer und der vorgelagerte Fortgürtel der Entwicklung der neuen Schusswaffentechnik nicht mehr standhalten konnten, entschloss man sich zum Ende des 19. Jahrhunderts, die Verteidigungsanlagen aufzugeben. Ein neuer innerer und äußerer Festungsgürtel wurden angelegt, zu Beginn des ersten Weltkrieges war Köln damit zur größten und mächtigsten Festung im Deutschen Reich geworden.

Doch schon kurze Zeit nach Anlage des inneren Festungsringes zeigte sich, dass dieser das stetige Wachstum der Stadt behinderte. Nach langwierigen Verhandlungen mit dem preußischen Kriegsministerium gelang es der Stadt 1907, die Festungseigenschaft des Gebietes aufzuheben und das Gelände zu kaufen. Die ursprünglich vorgesehene Bebauung des Geländes verzögerte sich jedoch und wurde durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges zunächst gestoppt.

Nach dem Krieg wurde die geplante Bebauung endgültig aufgegeben. Das ist vor allem Konrad Adenauer zu verdanken, der im Jahr 1917 Oberbürgermeister der Stadt Köln geworden war. Sein Ideal einer einheitlichen und organischen Stadtgestalt, in der umfangreiche Grünflächen für die Bewohner Platz finden, sollte in den Nachkriegsjahren in die Realität umgesetzt werden. Dies war die Geburtsstunde des Kölner Grünsystems, wobei das Verdienst Adenauers nicht nur in der Tatsache zu sehen ist, dass er auf politischer Ebene die Voraussetzungen zur Durchführung eines solchen Projektes schaffen konnte. Ihm gelang es auch, den Baudirektor der Stadt Hamburg, Fritz Schumacher, für drei Jahre (1920-1923) nach Köln zu holen. In diesem kurzen Zeitraum legte Schumacher nicht nur die Linien der künftigen Stadtentwicklung fest, er setzte auch wesentliche Akzente zur Durchführung des Grünprogramms. Eine zentrale Idee war dabei, dass die Grünflächen nicht nur als Erholungsflächen dienen, sondern den gesamten Stadtkörper gliedern und strukturieren sollten. Das grundlegende Element von Schumachers Plan war ein zusammenhängender Grüngürtel, bestehend aus einer Abfolge architektonisch gestalteter Grünräume, der annähernd die gesamte Innenstadt umspannte.

Zeitgleich mit der Aufstellung des Bebauungsplanes für den Bereich des Inneren Grüngürtels hatte Schumacher mit den Überlegungen zu einem Grünsystem für das gesamte Stadtgebiet begonnen, die 1923 in den Generalbebauungsplan einflossen.

Damit erhielt Köln zum ersten Mal eine langfristige städtebauliche Entwicklungskonzeption, in der die beiden Grüngürtel durch drei radial ausgerichtete Grünzüge (Verbindungskorridore) verbunden und somit das ringförmige Freiflächensystem in ein radartiges überführt wurde. Weite Teile des Systems konnten im architektonischen Gartenstil jener Zeit realisiert werden: So entstand mit Feldern, Wiesen, Wasserflächen und Wegen ein großräumiges Gefüge, in dem Nutzen und Schönheit einander ergänzen.


Die grünen "Speichen", die linksrheinisch den Inneren und Äußeren Grüngürtel miteinander verbinden und von dort ins Umland gerichtet sind, waren zugleich zur Gliederung der Bebauung in den Vororten bestimmt.

Demgegenüber sollten rechtsrheinisch, wo sich der Grüngürtel näher am Rhein befindet, die Radialen die Verbindung zwischen Grüngürtel und den naheliegenden Wäldern des Bergischen Landes herstellen.
Nach den Vorgaben des Generalbebauungsplanes sollte auf dem Gebiet des äußeren Befestigungsringes der Äußere Grüngürtel angelegt werden. Da dieses Gebiet aufgrund der militärischen Nutzung von jeglicher Bebauung frei geblieben war, war es geradezu prädestiniert für die Umgestaltung in einen grünen Gürtel.

Adenauer maß der Anlage besonders große Bedeutung zu, wie folgendes Zitat verdeutlicht: "Jetzt muss es sich entscheiden, ob Köln eine riesige Steinwüste sein wird oder aber eine Stadt, deren Bewohner ein menschenwürdiges Dasein führen können“.

Die Strategie von RegioGrün greift unterschiedliche Elemente des Grünsystem-Ansatzes auf und führt diese weiter. Dies umfasst die Realisierung weiterer Korridore, die aus dem System der Kölner Grüngürtel herauswachsen und die stark siedlungs- und verkehrsgeprägte Stadtlandschaft um Köln gliedern sollen. Drei dieser insgesamt sechs Korridore reichen nach Westen zur Ville und Erft und erschließen somit den Dritten Grüngürtel.