Die verantwortlichen Akteure, welche das Projekt REGIOGRÜN initiiert und auf den Weg gebracht haben, entschließen sich zu einer weiterführenden Strategie, die Elemente der eben beschriebenen Modelle umfasst und weiterführt. Sie greifen eine Entscheidung der Stadtentwicklungspolitik der 1920-er Jahre auf, die für die Entwicklung der Stadt Köln von größter Bedeutung war und in ihrer qualitativen und quantitativen Dimension unter den deutschen Großstädten eine singuläre Großtat darstellt. Der damalige Kölner Öberbürgermeister Konrad Adenauer und der von ihm aus Hamburg gerufene Stadtplaner Fritz Schumacher entwickelten die Inneren und Äußeren Kölner Grünringe einschließlich dreier Verbindungskorridore zwischen den beiden Ringen auf den Flächen ehemaliger militärischer preußischer Verteidigungsflächen und Anlagen. Weite Teile dieses Systems konnten im architektonischen Gartenstil jener Zeit realisiert werden. Die eingesetzten Mittel waren landschaftlicher Art: Felder, Wiesen, Wasserflächen und Wege ergeben ein großräumiges Gefüge von höchster Brauchbarkeit und Schönheit. Die noch nicht realisierten Teile vor allem im Norden und auf Köln- Deutzer-Seite sind bauleitplanerisch gesichert.
Adenauer und Schumacher knüpften damit an die Reformbewegung Kölner Grünflächenpolitik an, für die Fritz Encke mit zahlreichen Parks und Plätzen in Köln steht.
In Fortsetzung dieser Gedanken entwickeln die Akteure von REGIO-GRÜN die Vorstellung von weiteren Korridoren, welche aus dem System der Kölner Grüngürtel herauswachsen und die stark siedlungs- und verkehrsgeprägte Stadtlandschaft um Köln gliedern sollen. Drei dieser Korridore reichen nach Westen zur Ville und Erft und machen diese damit sozusagen zum `Dritten Kölner Grüngürtel´. Ein Korridor greift nach Norden bis zum Kloster Knechtsteden, ein weiterer nach Süden
zum Bonner Stadtgebiet. Die Korridore sind nicht zufällig gewählt. Sie umfassen jeweils landschaftlich, naturräumlich, kulturhistorisch und technisch-industriell bedeutsame charakteristische Räume. In einigen Korridoren sind bereits Fahrradrouten etabliert, die öffentlich bekannt sind und frequentiert werden.
Dieser methodische Ansatz wird mit dieser Expertise nachhaltig unterstützt. Es wird weitergehend vorgeschlagen, das System Ring-Korridore auch auf die rechte Rheinseite zu übertragen. Der Äußere Köln-Deutzer-Grüngürtel ist in weiten Teilen auch rechtsrheinisch existent. Er schlägt Brücken über den Rhein und wird damit einem der ersten Ansprüche der REGIONALE 2010 gerecht. Er verbindet die beiden unterschiedlichen Rheinseiten in einem Gesamtnetz, die rechtsrheinischen Korridore erreichen – wenn man so will – mit dem bewaldeten und landschaftlich geprägten Bergischen Land einen dritten Kölner Grüngürtel rechtsrheinisch. Dies entspricht ebenso einer alten Vorstellung von Fritz Schumacher.
Es ergeben sich damit rechtsrheinisch drei, vom Kölner Ring ausgehende Korridore. Der nördliche schafft eine Verbindung zum `Leverkusener Fächer´, der südliche bindet die `Wahner Heide´ an, der mittlere folgt dem Verlauf der Strunde bis zu ihrer Quelle in Herrenstrunden. Strunde-Korridor und die fünf linksrheinischen Korridore sind Gegenstand weiterer Betrachtung in dieser Expertise. Die Verbindung zum `Leverkusener Fächer´ und `Wahner Heide´ werden nur im Ansatz, nicht in Gänze behandelt, da sie jeweils eigenständige Projekte darstellen.
Die Verfasser schlagen vor, das Projekt GEGENLÄUFE in diesem einen Ring-Korridor-Projekt aufgehen zu lassen. Zu komplex und abstrakt erscheint die Außendarstellung von REGIO-GRÜN und GEGENLÄUFE, die Kommunikation und Vermittlung der Ziele von zwei sich teilweise überlagernden, in Teilen abweichenden Projekten kann nicht in dem Maße gelingen, wie es das Bild `Ringe und acht Korridore´ zu leisten vermag. Auch der Pulheimer Bach kann als Projekt ohne Weiteres einbezogen werden, da immer wieder gerade Linearstrukturen wie Wege und Bäche die Korridore verlassen.
Vertraut wird damit auf die suggestive Kraft des Bildes, welches in der Kommunikation nach außen sich wesentlich stärker verankern lässt, als dies etwa bei einem abstrakten Patchwork aus Siedlungsflächen und Schutzflächen der Fall sein wird. Erfahrungen mit dem `Frankfurter Grüngürtel´ belegen dies. Sowohl in der Öffentlichkeit wie bei den verantwortlichen Politikern und in allen Verwaltungsebenen existiert diese Vision als konkrete Vorstellung und trägt zu seiner Realisierung bei.
Die Korridore leisten viel. Sie erreichen die wesentlichen natur- und landschaftsräumlichen Elemente, sie umfassen den Großteil der Gebiete des Natur- und Wasserschutzes. Darüber hinaus erfassen sie die charakteristischen Teile der Suburbia von Köln und Bonn mit der Landwirtschaft, dem Gartenbau, dem Kies- und Braunkohleabbau, die Folgelandschaften mit neuen Wäldern und Seen, die Technik, Industrie, Siedlung und Verkehr. Sie bilden wichtige Verbindungs- und Erschließungslinien aus der Metropole Köln in das Umland. In den Korridoren liegt eine Vielzahl von Anziehungspunkten, auch die Vernetzung mit dem Individualverkehr und dem öffentlichen Verkehr ist gegeben.
Auch vor dem Hintergrund des anthropogen bedingten Klimawandels kommt den im regionalen Maßstab wirksamen Landschaftskorridoren in mehrfacher Hinsicht Bedeutung zu. Sie sorgen für Luftaustausch und Frischlufttransport bei belastenden Inversionswetterlagen und Schwülebildungen. Sie binden mit ihrer großen, vegetationsbestimmten Oberfläche Feinstäube und können damit einen wichtigen Beitrag zur Minimierung der Belastungen des Mesoklimas in der Stadtlandschaft leisten. Die angestrebten Aufwaldungen und Gehölzpflanzungen erfüllen Aufgaben als CO2-Senken. Nach ihrer Aufwertung, Qualifizierung und Erschließung mit Fuß- und Radwegen werden sie einen wichtigen Beitrag zur Verminderung der Nutzung von Autos leisten können. Erlebnisrouten in attraktiver Landschaft mit Anbindung an die Haltestellen des ÖPNV, Angebote für die Erholung, Bewegung und Sport, gut gestaltete Bade- und Wassersportplätze sowie kulturelle und gastronomische Anziehungspunkte in unmittelbarer Nähe zu den verdichteten Siedlungsräumen bieten eine Alternative zu größeren Fahrten in weiter entfernt gelegene Erholungsgebiete. Die Bürger können ohne Benutzung des Kfz das Alles zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen.
Die Regionale 2010 wird diesen Aspekt in einem Gutachten zum Klimaschutz noch eingehend untersuchen und darstellen lassen. In der Grundtendenz haben die hier aufgeführten Anmerkungen Gültigkeit.