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Der Innere Grüngürtel
 
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Mitten in Köln

Carl Rehorst, seit 1907 Stadtbaumeister in Köln, [i] erstellte in den Jahren 1909/10 sowie 1912 einen Bebauungsplan für das frei gewordene Gelände. Dieser Plan sah eine ein- bis zweigeschossigen Villenbebauung dieses Gebietes vor, wogegen sich jedoch der Widerstand der privaten Grundbesitzer formierte, die eine solche Art der Bebauung für unwirtschaftlich sowie als Einschränkung empfanden. Somit verzögerte sich die Verwirklichung der Planung, bis diese durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges gänzlich gestoppt wurde.

Vor allem Konrad Adenauer, seit 1919 Oberbürgermeister von Köln, ist es zu verdanken, dass der von Rehorst aufgestellte Bebauungsplan nach dem Krieg endgültig aufgehoben und durch einen neuen ersetzt wurde. Adenauers Ziel war es, auf den unbebaut gebliebenen Flächen die für Köln notwendigen Parkanlagen in unmittelbarer Nähe der dicht besiedelten Innenstadt schaffen zu können. Zur Verwirklichung dieser Idee wurde 1919 ein beschränkter Wettbewerb durchgeführt, an dem der Kölner Städtebauinspektor Alfred Stooß (in Zusammenarbeit mit Gartendirektor Encke), der Berliner Professor Hermann Jansen und der Hamburger Baudirektor Fritz Schumacher teilnahmen. Ein vorwiegend aus Nichtfachleuten zusammengesetzter Gutachterausschuss prämierte den Vorschlag von Schumacher. Ende 1919 folgte die Kölner Stadtverordnetenversammlung diesem Votum und beschloss, den Entwurf als Grundlage für die Aufstellung eines neuen Bebauungsplanes zu wählen. [ii]

Das grundlegendes Element von Schumachers Plan war ein zusammenhängender Grüngürtel, bestehend aus einer Abfolge architektonisch gestalteter Grünräume, der annähernd die gesamte Innenstadt umspannte. [iii] Von diesem Grüngürtel ausgehend verband ein ebenfalls streng architektonisch gefasster Grünzug, der Lindenthaler Kanal, die Innenstadt mit dem Stadtwald. Eine Ergänzung fand diese radiale Verbindung durch den Friedhof Melaten, der nach seiner damals geplanten Auflassung in eine öffentliche Grünfläche umgewandelt werden sollte.

Schumacher hatte bei seinem Entwurf vor dem Problem gestanden, dass durch den Bebauungsplan von Rehorst bereits bestimmte Bodenwerte für das Wettbewerbsgebiet festgelegt waren und so der Konzeption eines durchgehenden Grünzugs zunächst Grenzen setzten. Dennoch schaffte er es, nahezu 50% des Geländes zur Anlage öffentlicher Straßen, Plätze, Grün- und Wasserflächen auszuweisen. Voraussetzung hierfür war die Verabschiedung eines eigens auf die Kölner Verhältnisse abgestimmten Sondergesetzes, das Adenauer bei der preußischen Regierung erwirkt hatte und mit dessen Hilfe die notwendigen Umlegungsverfahren durchgeführt werden konnten.

Adenauer gelang es auch, Schumacher für drei Jahre von seiner Hamburger Funktion beurlauben zu lassen und ihn für diesen Zeitraum an Köln zu binden. Im August 1920 wurde der Städtebauer als Beigeordneter der Stadt angestellt und hatte bis September des Jahres 1923 die Oberleitung über das Hochbau-, Tiefbau-, Maschinenbau- und Städtebauamt. Nachdem er seinen Wettbewerbsentwurf überarbeitet hatte, konnte im September 1921 mit der Umlegung der Grundstücke begonnen werden. [iv]

Die planerischen und gestalterischen Vorgaben für die Umsetzung der Grünanlagen wurden von Schumacher und seinem “Technischen Dezernatsbüro” selbst erarbeitet. Dem Gartenamt unter der Leitung von Encke und insbesondere der Entwurfsabteilung unter der Leitung von Nussbaum oblag lediglich die “künstlerische und technische Bearbeitung der Ausführungspläne”. [v]

Im Jahre 1922 waren die vom Liegenschafts- und Landwirtschaftsamt durchgeführten vermessungstechnischen Arbeiten zur Absteckung der geplanten Grünflächen im Gelände beendet. Noch im selben Jahr konnte die Gartenbauabteilung des Gartenamtes in dem Abschnitt zwischen Venloer und Subbelrather Straße sowie Venloer Wall und Ehrenfeld mit den ersten Arbeiten zur Anlage von Spiel- und Volkswiesen, kleinen Schmuckanlagen, Wegen und Baumpflanzungen beginnen. [vi] Die hohe Arbeitslosigkeit in jener Zeit wirkte sich insofern besonders günstig auf die Umsetzung aus, als der Stadtverwaltung die Erwerbslosenfürsorge, die mit Reichsmitteln finanziert wurde, oblag. So konnten zeitweise bis zu 3.000 Arbeiter für den Ausbau des Grüngürtels beschäftigt werden. [vii] 1924 war der gesamte Grüngürtel mit einer Gesamtfläche von 85 ha vollendet. [viii]

In den folgenden Jahren kam es zur Veränderung einzelner Teilbereiche. So wurde aufgrund des Neubaus der Universität in den Jahren 1929 und 1933 der Bereich zwischen Bachemer und Zülpicher Straße umgestaltet, und im Bereich zwischen Aachener Weiher und Bachemer Straße wurde in den Jahren 1937/38 ein Fest- und Aufmarschplatz nach Plänen des Gartenamtes angelegt. [ix]

Die Grünanlagen des Inneren Grüngürtels blieben bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges die einzigen Elemente des Bebauungsplanes von Schumacher, die in die Realität umgesetzt wurden. Der Ausbruch des Krieges und das bis 1954 laufende Umlegungsverfahren [x] verhinderten, dass auch die geplante Bebauung – abgesehen von wenigen Einzelbauten – verwirklicht werden konnte.

 

Obwohl die Bombenabwürfe im Zweiten Weltkrieg weite Teile des Gürtels zerstörten, (Luftaufnahme) blieb dieser in seiner Grundstruktur dennoch erhalten. Um so mehr verwundert es, dass er sich heute völlig anders darstellt. Von der ursprünglichen Planung blieben lediglich die gärtnerischen Anlagen am Fort X in der Nähe des Eisstadions, die Alhambra zwischen Escher und Merheimer Straße sowie die Grüngestaltung hinter dem Universitätsgebäude erhalten.

Die Gründe hierfür lassen sich auf verschiedene Aspekte zurückführen. [xi] Von grundlegendem Einfluss war die Tatsache, dass die vorgefundene Situation nicht mehr der allgemeinen städtebaulichen und grünplanerischen Auffassung der Nachkriegszeit entsprach, die unter dem Leitbild der gegliederten und aufgelockerten Stadt zusammengefasst werden kann. [xii] Man wandte sich ab von den architektonisch gegliederten Grünräumen, wie sie Schumacher vorsah und hin zu einem breiten, durchgängigen und landschaftlich gestalteten Grüngürtel.

Hinzu kam der Umstand, dass das städtische Liegenschaftsamt schon in den 1920er-Jahren mit dem Ankauf von Grundstücken im Umlegungsgebiet begonnen hatte. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg waren darüber hinaus viele Besitzer gezwungen, ihre Grundstücke zu verkaufen, so dass der städtische Besitz stetig zunahm. [xiii]

Diese Tatsache schaffte wiederum erst die Voraussetzung dafür, dass ein Großteil der Trümmermassen aus der Innenstadt durch Aufschüttung von Hügeln im Inneren Grüngürtel untergebracht werden konnten. Im Rahmen der hierdurch erforderlich gewordenen Neuplanung bestand nun die Möglichkeit, den gesamten Bereich zu überplanen und einen breiten zusammenhängenden Grüngürtel auf den zum größten Teil im öffentlichen Besitz befindlichen Flächen zu realisieren. Durch diese Überplanung und die großflächige Anschüttung des Aachener- und des Herkulesberges wurden Teilbereiche wie die schon ausgebauten Wiesen an der Herkulesstraße und der Fest- und Aufmarschplatz an der Bachemer Straße vollständig vernichtet und andere Teilbereiche in ihrer Gestaltung vollkommen verändert.

Der Ausbau des neuen Grüngürtels wurde in einigen Abschnitten zunächst durch illegal errichtete Gewerbe- und Wohnbauten erschwert. Jedoch bestand der einhellige politische Wille, diese Aufbauten zu entfernen und “dieses schöne Gebiet wieder in Ordnung zu bringen”, [xiv] so dass Anfang der 60er Jahre die Beseitigung der Kriegsschäden sowie der Ausbau des Grüngürtels und die Begrünung der Trümmerberge im Wesentlichen abgeschlossen werden konnten. In der Folgezeit kam es vereinzelt zu kleinflächigen Erweiterungen und Umgestaltungen, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann.

 

Zeitgleich mit der Aufstellung des Bebauungsplanes für den Bereich des inneren Festungsringes hatte Schumacher mit den Überlegungen zu einem Grünsystem für das gesamte Stadtgebiet begonnen. Die Grundidee und die Notwendigkeit für eine solche zusammenhängende Grünraumplanung hatten schon vor dem ersten Weltkrieg Rehorst, Stooß und Gartendirektor Encke erkannt. [xv] Es gelang aber erst Adenauer zusammen mit Schumacher, 1923 einen Generalbebauungsplan für das gesamte Stadtgebiet zu erarbeiten, in dem Adenauers Ideal einer einheitlichen und organischen Stadtgestalt mit umfangreichen Grünflächen für die Bewohner einfließen konnte.

Für diese Leistung wurde Adenauer 1927 zum Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst ernannt. Zur Begründung hieß es: “Herr Oberbürgermeister Dr. Adenauer hat durch seine Mitarbeit bei Schaffung der Reichsgesetze für den Ausbau des Inneren und Äußeren Kölner Festungsgürtels dem Städtebau und dem Freiflächenwesen in Köln Möglichkeiten erschlossen, wie sie in ähnlichem Ausmaße bis jetzt in Deutschland, wenn nicht in der Welt, einzig dastehen. Die für die künstlerische Ausgestaltung öffentlicher Grünanlagen und ihre Auswertung zum Wohl der Großstadtbevölkerung von ihm gewiesenen neuen Wege lassen infolge ihrer Vorbildlichkeit erwarten, dass sein Name mit dem Beginn eines neuen Entwicklungsabschnittes im Grünflächenwesen dauernd verknüpft bleibt”. [xvi]

 

Mit dem von Schumacher erarbeiteten Generalbebauungsplan, den man heute als ‘Stadtentwicklungs- oder Flächennutzungsplan’ bezeichnen würde, erhielt Köln zum erstenmal eine langfristige städtebauliche Entwicklungskonzeption. Die Grundform für das künftige Freiflächensystem war durch den inneren und äußeren Befestigungsring vorgegeben. Zur Auflösung dieser konzentrischen Grundstruktur sollten die beiden Grüngürtel jedoch durch radial ausgerichtete Grünzüge verbunden und somit das ringförmige Freiflächensystem in ein radartiges überführt werden. Diese grünen ”Speichen”, die linksrheinisch den Inneren und Äußeren Grüngürtel miteinander verbinden und von dort ins Umland gerichtet sind, waren zugleich zur Gliederung der Bebauung in den Vororten bestimmt. Demgegenüber sollten rechtsrheinisch, wo sich der Grüngürtel näher am Rhein befindet, die Radialen die Verbindung zwischen Grüngürtel und den naheliegenden Wäldern des Bergischen Landes herstellen.

 


[i] H.A., Geschäftsverteilungspläne 1907 bis 1914

[ii] vgl. Heiligenthal, R.: Entwicklungsfragen der Großstadt Köln. Der Neubau 6. Jg., 1924, Heft 6, S. 53-60

[iii] vgl. Schumacher, F.: Köln – Entwicklungsfragen einer Groszstadt. Köln 1923

[iv] vgl. Stadt Köln Liegenschaftsamt (Hrsg.): 100 Jahre stadtkölnisches Vermessungs- und Liegenschaftswesen. Köln 1975

[v] vgl. Verwaltungsbericht der Stadt Köln, 1923

[vi] H.A., Verwaltungsbericht der Stadt Köln,1922, S. 91

[vii] Zey, R.: Parks in Köln. Köln 1993, S. 112

[viii] H.A., Verwaltungsbericht der Stadt Köln 1924, S. 83

[ix] vgl. Nussbaum, Th.: Der Ideenwettbewerb für die städtebauliche und architektonische Gestaltung eines Fest- und Aufmarschplatzes in Köln am Rhein. Gartenkunst, 49. Jg., 1936, S. 59-64

[x] vgl. Dörendahl, E.; Plaag, F.: Die Kölner Umlegungstätigkeit. In: Stadt Köln (Hrsg.): 100 Jahre stadtkölnisches Vermessungs- und Liegenschaftswesen. Köln 1975, S. 79-112

[xi] Vgl. Bonatz, P.: Vorschlag für die Bebauung des Umlegungsgebietes im inneren Festungsrayon der Stadt Köln. Der Städtebau. 17. Jg., 1920, Heft 5/6, S. 41-46. vgl. Curdes, G.; Ulrich, M.: Die Entwicklung des Kölner Stadtraumes. Dortmund 1997

[xii] vgl. Schwarz, R.: Das neue Köln. Köln 1950. Schönbohm, K.: Köln: Grünanlagen 1945-1975. In: Stadt Köln (Hrsg.): Stadtspuren – Denkmäler in Köln. Köln 1988

[xiii] vgl. Dörendahl, E.; Plaag, F.: Die Kölner Umlegungstätigkeit. In: Stadt Köln (Hrsg.): 100 Jahre stadtkölnisches Vermessungs- und Liegenschaftswesen. Köln 1975, S. 79-112

[xiv] Rede von Beigeordneten Dr. Kleppe in der Stadtverordnetenversammlung am 17. Juni 1952, Manuskript, Amt für Landschaftspflege und Grünflächen

[xv] Meynen, H.: Die Kölner Grünanlagen. Düsseldoerf 1979, S. 71-75

[xvi] Heicke: XL. Jahresversammlung der D.G.f.G.. Gartenkunst 40. Jg., 1927, S. 169-175; S. 169