Der Festlegung des Systems der Ringe und Korridore muss ihre Qualifizierung und gestalterische Aufwertung folgen. Land- und forstwirtschaftliche Nutzung allein wird dem Druck der Siedlung und Verkehrslinien nicht standhalten. In den 1920-er Jahren verwandelten Konrad Adenauer und Fritz Schumacher weite Teile der landwirtschaftlichen Flächen des Kölner Rayons in öffentliche Parkflächen. Dem Grunderwerb folgte der Umbau mit der Begründung neuer Wald- und Wiesenflächen oder der Anlage von großen Teichen. Dies war möglich gerade in einer Phase wirtschaftlichen Niedergangs.
In Zusammenhang mit den aktuellen Bemühungen um die Sicherung und Aufwertung von Freiräumen im Geflecht der Stadtlandschaften hat sich der Begriff des ‚Landschaftsparks‘ etabliert. Dieser unterscheidet sich von seinem gleichlautenden Vorbild aus dem 19. Jahrhundert dadurch, dass er nicht versucht, eine Ideallandschaft herzustellen und romantisch zu überhöhen, er begreift die Landschaft in ihrer Realität mit Wäldern, Feldern, dem Wegenetz, den Bächen und Flüssen und den Gehölzen als Grundausstattung eines Parks. Nur durch gezielte Ergänzungen, Interventionen, manchmal nur durch das Sichtbar- und Lesbarmachen ihrer Wesenhaftigkeit wird die Landschaft zum Park entwickelt. Auch die urbanen Bausteine wie Straßen, Siedlungen, Kraftwerke, Abbau- und Lagerstätten gehören zu diesem Parktyp. Sie spiegeln die Alltagswelt wider, in der wir leben und zu Hause sind. Der neue ‚Landschaftspark‘ entwirft kein Gegenbild zur Realität, wie es der romantische Park des 19. Jahrhunderts tat, er ist ein Teil von ihr, er spiegelt unsere Welt mit allen Brüchen und Widersprüchen wider. Er versucht dennoch, Aufenthaltsqualität, freundliche Anmutung, Erreichbarkeit und Benutzerqualität zu erreichen.
Damit die Landschaft zum Park wird, bedarf sie einiger Ergänzungen und Umgestaltungen. Dies ist vor dem Hintergrund konkurrierender Flächenansprüche von Siedlung, Verkehr und Landwirtschaft nur schwer und langfristig durchsetzbar. So beschränken sich die Maßnahmen im Regionalpark Rhein – Main angesichts der Widerstände aus der Landwirtschaft primär auf die Realisierung von Routen im Sinne von Wegen mit begleitender, bandartiger Gestaltung und der Ausformung einzelner Punkte und Flächen. Hier ist bereits Beachtliches gelungen und ein Netz von beträchtlicher Wirkung erreicht worden. Die Realisierungen im Regionalpark Rhein – Neckar sind marginal, während im nördlichen Ruhrgebiet Industriebrachen und der Umbau des Emschersystems große Spielräume eröffnen.
REGIO-GRÜN hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, die Landschaft in den Korridoren langfristig und nachhaltig zu verändern, aufzuwerten und zu gestalten. Ein langer Atem für die Realisierung landschaftsplanerischer Maßnahmen steht vor der spektakulären Inszenierung des Vorhanden. Damit sollen nicht nur in restriktiver Weise Siedlung und Verkehr gelenkt, sondern im Gegenteil attraktive Standorte für Wohnen und Arbeiten geschaffen werden. Auch die Landwirtschaft wird im neuen Park einen dauerhaften Platz erhalten und nicht ständig als Bauerwartungsland fungieren müssen. Die Stärkung ihrer Position dient gleichzeitig den Zielen der neuen `Parklandschaft´.