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Ein starkes Bild wird gebraucht
Konkurrierende Flächenansprüche aus Siedlung, Verkehr und Landwirtschaft

Freiraumsicherung und –qualifizierung im regionalen Maßstab ist in den europäischen Metropolregionen eine der wichtigsten Herausforderungen, auf die mit unterschiedlichen Strategien geantwortet wird. So weist der Masterplan 2010 für das Ruhrgebiet einen `Emscher-Landschaftspark´ in einer Größenordnung von 457 km² aus, die Regionen Rhein – Main und Mittlerer Neckar (Stuttgart) haben Konzepte für Regionalparks ausgewiesen und setzen diese Ziele schrittweise um. In der Stadt Frankfurt hat sich die Vorstellung des `Frankfurter Grünen Rings´ fest verankert, er ist zum Eckpfeiler einer Stadtentwicklungspolitik geworden, mit der Realisierung zahlreicher Einzelmaßnahmen fügt sich schrittweise das Gesamtbild eines Ringes zusammen.

 

Mit dem Saar – Kohlewald als erster Teil des Regionalparks Saar soll eine postindustrielle Landschaft neu entstehen.

 

All diesen Anstrengungen liegt die Vorstellung zugrunde, dass in wachstumsstarken Regionalstädten über die Sicherung von Freiräumen die Siedlungstätigkeit und Verkehrsentwicklung gesteuert werden kann. Darüber hinaus können durch die Qualifizierung und Gestaltung attraktive Standorte für Wohnen und Arbeiten entstehen. Landschaftsentwicklung wird damit als Anstoß und Ausgangspunkt für Stadterneuerung verstanden. Vor allem die nördliche Ruhrgebietszone setzt mit dem neuen Emschertal auf diese Strategie.

 

Der hier zu behandelnde Raum um Köln und Bonn zählt zu den wachstumsstarken Regionen in Deutschland. Neue Siedlungsflächen und Verkehrsanlagen, dazu die Tagebauten von Braunkohle, Kies und Quarzsanden üben nach wie vor einen erheblichen Druck auf die Landschaft aus und konkurrieren mit den Ansprüchen einer Hochleistungslandwirtschaft, die auf den Lößböden der Börde und der Rheinterrassen bei mildem Klima sehr gute Bedingungen findet. Dass Landwirtschaft im unmittelbaren Umfeld großer Städte bzw. im dichten und für sie schwierigen Geflecht zwischen Siedlung, Verkehrsbändern und Leitungstrassen sich trotz massiver Flächenverluste vital zu behaupten vermag, ist durch umfangreiche Untersuchungen hinlänglich bewiesen. Neben den günstigen natürlichen Bedingungen tragen dazu die in Stadtnähe gegebenen Möglichkeiten bei, die allgemein mit Tertiärisierung der Landwirtschaft bezeichnet werden und ökonomische Nischen wie Reiterhöfe, Pensionspferdehaltung, Direktvermarktung, Erlebnisbauernhof, Maislabyrinthe etc. umfassen.

 

Bei diesen konkurrierenden Flächenansprüchen aus Siedlung, Verkehr und Landwirtschaft geraten die natürlichen Ressourcen und die landschaftlichen Grundstrukturen erheblich unter Druck. Dies gilt sogar für den Wald, welcher in Deutschland einen starken gesetzlichen Schutz genießt, jedoch auf dem raumbedeutsamen Kamm der Ville zunächst dem Braunkohletagebau weichen musste, in der Nachfolgenutzung nicht im gleichen Maße wieder aufgeforstet, sondern durch die aus der Börde verdrängte Landwirtschaft ersetzt wurde. So zeigt sich der ehemalig durchgehend bewaldete Ville-Rücken stark fragmentiert.

 

Auch die topografisch und hydrologisch schwach gegliederten Rheinterrassen bieten dem Siedlungswachstum und der Trassierung von Verkehrslinien wenig Widerstand. Ihre Positionierung orientiert sich eher an historischen Faktoren (alte Siedlungskerne, Römerstraßen) oder an administrativen Grenzen.

 

Lediglich die Erftaue ist als durchgehender Talraum in der Morphologie und Landnutzung ablesbar, wenn es sich auch aufgrund der Grundwasserabsenkungen des Braunkohletageabbaus in der Jülicher Börde um eine künstlich geschaffene ‚Sekundäraue‘ handelt, in welcher die Erft den Hauptteil ihres Wassers aus Sümpfungen bezieht. Die Wälder des rechtsrheinischen Königsforstes und des Dhünnwalder-Waldes erfahren einen frühen Schutz aufgrund ihrer stadtnahen Position.

 

Rechtsrheinisch stellen die ansteigenden Höhen der Bergischen Hochfläche mit ihren steilen Zertalungen und Kuppen, einer lebhaften Topografie und dem kleinteiligen Wechsel von Wald und Offenland sich einer großflächigen Besiedlung entgegen. Sie folgt eher linear den Talverläufen, auch das Hauptverkehrsliniennetz ist entsprechend dünner. Dabei darf nicht verkannt werden, dass die Siedlungsstruktur des Bergischen Landes aufgrund der Wasserkraftnutzung der zahlreichen Bäche eine frühindustrielle ist. Der linksrheinische Raum war bis zum Beginn des Braunkohletagebaus und der gewerblichen Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg eher agrarisch bestimmt.

 

Landschaft in Deutschland ist frei zugänglich. Dies wird über die Straßen und ein öffentlich gewidmetes Netz von Flurund Wirtschaftswegen ermöglicht, welches jedermann zur Benutzung offen steht. Dass diese Errungenschaft durchaus nicht selbstverständlich ist, kann man erleben, wenn man sich in der Kulturlandschaft unserer Nachbarländer bewegt.

 

Die öffentlichen Grünflächen der Städte lassen eine flächige Zugänglichkeit und Nutzung zu. Im Wald oder auf landwirtschaftlichen Nutzflächen ist dies nur bedingt oder temporär möglich.

 

Barrieren von Autobahnen, Bahnlinien und übergeordneten Straßen erschweren eine Durchgängigkeit erheblich. Teilräume wie große geschlossene Industrieflächen, Braunkohleabbauflächen oder der Flughafen sind nicht zugänglich.

 

Freraumsicherung Regional
Mittlerer Neckar
Emscher Landschaftspark
Rhein–Main