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12.09.2012

Ein Schmaus für Insekten und Kühe

Artikel aus dem Kölner Stadt-Anzeiger vom 11.09.2012

In dem geschützten Landschaftsraum wurden und werden Äcker und Gärten in offene Grünlandflächen umgewandelt, die sich so natürlich wie möglich entwickeln sollen. Ein Landwirt profitiert von der Umwandlung von Äckern in Kräuterwiesen.

Hürth/Kerpen.  Die bunten Blumenwiesen wurden gerade gemäht. Was in den vergangenen Wochen auf den Wiesen im Weiler Bachtal zwischen Hürth-Fischenich und den Weiler Teichen so farbenprächtig blühte, fasst Dr. Bernhard Arnold von der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft unter dem Begriff „Acker-Unkräuter“ zusammen.

Viele davon hat die Biologische Station im Frühjahr zwar selbst dort gesät, allerdings zusammen mit anderen Wiesenkräutern und vor allem Gräsern, denen die Unkräuter in den kommenden Jahren Platz machen werden. Auf die Wiesengräser und -kräuter wartet Landwirt Hubert Jobs. Er will daraus Grassilage und Heu für seine Rinder gewinnen. „Die Kühe mögen das besonders gerne“, ist er überzeugt. Der Landwirt aus dem Weiler Brüggen bei Kerpen ist einer der letzten in der Gegend mit Milchviehwirtschaft. Das macht ihn als Projektpartner für die Untere Landschaftsbehörde (ULB) des Rhein-Erft-Kreises interessant, die im Weiler Bachtal in Zusammenarbeit mit der Stadt Hürth das Regio-Grün-Projektgebiet „Weiler Bach und Weiler Teiche“ entwickelt.

In dem geschützten Landschaftsraum wurden und werden Äcker und Gärten in offene Grünlandflächen umgewandelt, die sich so natürlich wie möglich entwickeln sollen. „Wir möchten hier kräuterreiche Wiesen, von denen auch die Insekten etwas haben“, erklärt Anja Pflanz von der ULB. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde das Saatgut für diese Flächen extra in der Biologischen Station in Bonn zusammengestellt. In einem Vertrag mit der Stadt Hürth und der ULB ist geregelt, dass Landwirt Jobs die artenreichen Wiesen pflegt, indem er sie mäht. Sein Ertrag sind die Gräser als gesunder – und leckerer – Futterzusatz für seine Milchkühe.

Das Saatgut für die offenen Grünlandflächen besteht ausschließlich aus einheimischen – autochthonen – Gräsern und Kräutern. Natürlich siedeln sich weitere Pflanzen an. Doch nicht alle sind auch erwünscht: Vereinzelt tritt bereits das Jakobskreuzkraut auf. Es enthält Stoffe, die sich im Körper ansammeln und in Gift umgewandelt werden. Für Pferde und Rinder sind schon geringe Mengen des Krauts im Futter tödlich. Da sich der Einsatz von Herbiziden auf dem Gelände verbietet, müssen die Pflanzen von Hand entfernt werden. Genauso wie das eigentlich sehr dekorative Drüsige Springkraut. Diese rosa bis weiß blühende, langstielige Staude ist ein Einwanderer aus Asien und breitet sich massiv aus.

Das Projektgebiet liegt am östlichen Rand des sogenannten Freiraumkorridors „Zu den Villeseen“ und ist damit Teil des dritten Kölner Grüngürtels, der als Landschaftsprojekt Regio-Grün im Rahmen der Regionale 2010 entwickelt wird. Mit dem Quellbereich, den angrenzenden staunassen Flächen und den uralten Teichen gilt das Gebiet als schützenswerter, seltener Landschaftsraum und charakteristische Kulturlandschaft. Nicht nur unter Aspekten des Arten- und Naturschutzes wird das Projektgebiet belebt und entwickelt, sondern – im Sinne des gesamten Regio-Grün-Projekts – auch als Erholungsraum. Ein rund 2,7 Kilometer langer Rundwanderweg, der auch den Weiler Hof mit ansässiger Brauerei und Biergarten anbinden wird, soll im kommenden Jahr ausgewiesen werden.

Text: Susanne Neumann, Kölner Stadt-Anzeiger